s`Gwand

In den Chronikbüchern ist ersichtlich, daß in der Zeit vor dem II. Weltkrieg verstärkt um ein einheitliches Erscheinungsbild des Vereins gerungen wurde. Damals hatte ja jeder das an, was er daheim hatte. Ob der Hut diese oder jene Form hatte, war ganz egal - wenn man nur einen Hut hatte! Es waren halt eher ärmliche Zeiten damals.

Nach dem Krieg - mitten im Wirtschaftswunder - wurden die Ansprüche dann größer, und man konnte von den Mitgliedern schon verlangen daß sie sich mehrheitlich gleich gewandeten.

Der Höhepunkt der sog. "Uniformierung" kam allerdings dann in den 1980er Jahren, als auch die Mitgliederzahlen extrem anstiegen.

In Emmering (wie in ganz Bayern) ersetzte auf einmal Fabrikware die bis dahin in mühseliger Handarbeit geschaffenen Trachtenteile. Die Hirschlederne verschwand zugunsten der billigeren Laponiahose, massenproduzierte Leibl mit Plastikknöpfen, der Haferlschuh kam auf, usw. Nur wenige achteten zu der Zeit auf die Individualität ihrer Tracht. Gott sei Dank hat mittlerweile ein Umdenken stattgefunden, und auch das Trachtenhandwerk erlebt eine Renaissance, wie die vielen Trachtenmärkte (die echten!) landauf landab beweisen.

 

 

Gründerzeit

 

 

 

Das Gewand der Emmeringer Mannerleit hat sich im Grunde von der Gründung bis heute wenig verändert. Wie das nebenstehende Bild aus den 1930er Jahren zeigt, wurden damals sog. "Loiferl" statt Kniestrümpfen, und Stieferl statt Haferlschuhen getragen. Bis auf den Hutschmuck (damals Hirsch/Gamsbart, heute Adlerflaum) hat sich eigentlich nichts geändert.

Dirndltracht 1939

 

 

 

 

Bei den Weiberleut` schaut es da schon anders aus. Wie zu sehen, trugen die ledigen Dirndl (verheiratete Frauen gab es als Vereinsmitglieder nicht) vor dem Krieg einen samtenen/stoffenen Spenzer als Oberteil, mit einem weißen Fürta (Schürze).

Gaufest 1967

 

 

Auf die Fahnenweihe 1950 hin, wurde in Emmering das Miedergewand eingeführt. Mit Gschnür, Seidenzeug (Fransenschultertuch + Fürta) und allem was dazugehört. Die alte Spenzertracht fand nur mehr bei Plattlerproben usw. Verwendung, und verschwand bald. Bis zum Jahr 2002 war das Miedergewand die einzige Frauentracht im Verein.

Kasettl 2006

 

 

 

Im Lauf der Zeit gaben immer mehr Mütter ihr "Miadagwand" an die Töchter weiter, und somit ergab sich für den Verein die Situation, daß viele weibliche Mitglieder bei den Festen nicht mehr mitgehen konnten.

Durch diese Situation, durch vermehrte Zuheirat u.ä. reagierte der Verein, und führte auf Vorschlag der Trachtenwartin Martina Bayer das sog. Kasettlgewand als Tracht für verheiratete Frauen ein. Als Besonderheit im Inngau gilt die Tatsache, daß die Frauen zwischen vier Farben (blau, rot, schwarz und grün) für ihr Kasettl wählen können.